Einige Gedanken dazu, warum sich ADHS-Betroffene im Lockdown wohler fühlten:

Der Büroangestellte: “Wie schön war es doch, als wir am Morgen aufstehen konnten, wann immer wir aufstehen wollten. Als wir unsere Arbeitszeit nach unseren Bedürfnissen eingeteilt haben und zwischendurch Bewegung einbauen konnten. Als wir uns nicht in überfüllte Busse und Züge quetschen mussten, weil wir nicht Punkt 8 im Büro zu sein hatten. Als sich plötzlich jeder dafür interessierte, wie man es schafft, fokussiert und konzentriert im Homeoffice zu arbeiten und zahlreiche Tipps herumgereicht wurden. Als ich einfach nicht mehr auffiel, weil es nun allen so erging und wir uns im Zoom-Meeting über Methoden zum Homeoffice austauschen konnten und ich die Unterstützung meiner Arbeitskollegen hatte”

Die Handwerkerin: “Termine waren plötzlich nicht mehr so wichtig, die Auftraggeber schalteten einen Gang zurück, so wurde der Arbeitsdruck gesenkt. Ich konnte mit Freude meiner Arbeit nachgehen.”

Die Unternehmerin: “Der Lockdown stellte mich vor eine neue, noch nie dagewesenen Herausforderung und ich habe sie angenommen. Die Krise setzte bei mir Energien frei, welche ich schon lange nicht mehr verspürt habe. Endlich ist meine Kreativität wieder gefragt, meine andere Sicht auf die Dinge, mein Ideenreichtum und meine Fähigkeit, schnell zu Handeln ohne grosse Planung. Einfach auszuprobieren, was funktionieren könnte. Es war eigentlich ein grosser Spass und ich war mir selten näher.”

Was passiert jetzt, wenn erste Lockerungen wieder zu mehr Geschwindigkeit im Alltag führt? Termine müssen nachgeholt, Fristen verlängert und Arbeiten abgegeben werden. Es gibt keine Ausreden mehr, niemand versteht es, wenn man einmal einen unproduktiven Arbeitstag im Homeoffice hatte, weil es ja jedem so erging. Nein, der Betrieb wird wieder hochgefahren und es darf wieder eingefordert und erwartet werden. Behalten Sie sich die guten Dinge weiter und lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Überlegen Sie, was möchte ich aus dem Lockdown mitnehmen und wie kann ich es mir bewahren. Vielleicht muss jetzt mit dem Arbeitgeber über das Arbeitsverhältnis neu verhandelt werden oder Sie setzten Termine mit genügend Freiraum an, denn Sie wissen ja jetzt, dass die Welt nicht untergeht, wenn mal ein Termin nicht wahrgenommen werden kann.

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